„Hinter den Leinen fühle ich mich einfach wohler"

Sportsfreunde: Im Sommer trainiert Esther Wieser fast täglich mit der Kutsche - In diesem Jahr Sprung in die Klasse M geplant

Veröffentlicht am: 09.04.2010 in "Die Rheinpfalz - Donnersbergkreis"

WINNWEILER. Bereits zum zweiten Mal wurde Esther Wieser aus Winnweiler in den Jugend-Förder-Kader der Pfalz berufen. Die 19-jährige und ihr Pony Diabolo sind ein eingespieltes Team. 2008 und 2009 gewannen die beiden den E-Cup der Pfalz, für dieses Jahr ist der Sprung in Klasse M geplant.

„Zu Hause hatten wir schon immer Pferde, da meine Mutter begeisterte Reiterin und auch Fahrerin ist', erklärt Wieser. Mit sechs Jahren saß sie im Sattel, doch ihre große Liebe gilt dem Kutschbock. „Hinter den Leinen fühle ich mich einfach wohler", meint sie. Über den Fahrsportverein Kaiserslautern-Land wurde sie in Otterberg an die Weihen des Kutschefahrens herangeführt. „Die Jugendarbeit dort ist klasse", fühlt sich das Nachwuchstalent sichtlich wohl unter den Fittichen von Landestrainer Alexander Schneider. Dort steht auch mittlerweile das Pony Diabolo, denn im Sommer trainiert Esther fast täglich mit der Kutsche. Zu Hause in Winnweiler sind die Trainingsmöglichkeiten begrenzt: „Dort haben wir keinen geeigneten Platz, um zum Beispiel die Dressuraufgaben zu üben".

In den Wintermonaten reitet sie Diabolo meist in der Halle, aber sobald die Turniersaison beginnt, legen die beiden los und spannen an. Der gescheckte Ponywallach, der aufgrund seiner Fellzeichnung große Ähnlichkeit mit einem Appaloosa aufweist, kann enorme Bewegungen vor der Kutsche entwickeln, die man ihm unter dem Sattel eher nicht zutraut. Wendig und geschmeidig absolviert das Paar die Dressuraufgaben. Das ist wichtig, denn im Fahrsport werden meist kombinierte Prüfungen ausgeschrieben. Alle Teilnehmer absolvieren drei verschiedene Teilprüfungen - Dressur, Gelände und Hindernisfahren. In der Dressur ist vor allem Durchlässigkeit und Gehorsam gefragt. Im Gelände und beim Hindernisfahren punkten die Fahrerinnen und Fahrer mit Schnelligkeit. „Bis jetzt sind wir von jedem Turnier mit mindestens einer Schleife heimgekehrt", erzählt die Schülerin der Kaiserslauterer König und Leiser-Schule stolz. Eine Erfolgsbilanz die für sich spricht. „Und dabei war Fahren zu Beginn eher eine Notlösung", erläutert Wieser. Vor drei Jahren wurde sie einfach zu groß für Diabolo. „Das sah dann nicht mehr gut aus". Reiten kann sie den Ponywallach zwar trotzdem noch, aber auf einem klassischen Dressurturnier würden die beiden wohl keinen Blumentopf gewinnen. „Da habe ich mir überlegt, dass wir Diabolo einfahren lassen", meint die Schülerin pragmatisch.

Das erste Jahr sind die beiden dann „nur über die Wiesen gefahren". Alexander Schneider beobachtete das Paar beim Training und war begeistert. „Dann hat er gemeint, ich solle doch auf dem hauseigenen Turnier an den Start gehen", führt Wieser weiter aus. „Ich hatte vorher gar nichts mit Turnieren am Hut und war anfangs etwas überfordert", gesteht sie. Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung mussten die Unterlagen beantragt werden. Das Kleine Fahrabzeichen und auch das Bronzene Fahrabzeichen hatte Esther bereits erworben. Gleich auf dem ersten Turnier ist dann ein Fauxpas passiert. „Wir hatten nicht gewusst, dass man vor der Prüfung noch einmal abhaken muss. Deshalb ging ich hin und meinte, dass ich jetzt hier gerne starten möchte", meint Wieser. Der Richter war erstaunt, da alle Reiter oder Fahrer vor ihrer Prüfung - zusätzlich zur schriftlichen Nennung vier Wochen vorher - ihre Startbereitschaft mündlich durch „abhaken" erklären müssen. Am Ende durften Diabolo und Esther trotzdem an den Start gehen und wurden sofort gut platziert. Ein toller Einstand.

Nach ihrer ersten Turniersaison 2008 wurde sie 2009 in den Pfalz-Kader berufen. Auch dieses Jahr klappte es mit der Kaderberufung. Doch trotz aller Erfolge stand für Wieser nach dem Abitur 2009 fest, dass die Pferde ein schönes Hobby sind und das auch bleiben sollen. Deshalb entschloss sie sich an der Kaiserslauterer König und Leiser Schule eine Ausbildung zur Logopädin zu machen. Auch andere Hobbys wie Tanzen haben in ihrem Terminkalender Platz. Jeden Freitag trifft sie sich mit Freunden im Winnweilerer Tanzverein Schwarz-Gelb, um die Hüften zu schwingen. „Ausgleich ist wichtig", findet die Schülerin.

Fahrturniere sind zudem ein größerer logistischer Aufwand als Reitturniere. Neben dem Pferd muss auch die Kutsche zu den oft weit entfernten Turnierplätzen transportiert werden. „Im Stall helfen wir uns dabei aber meist gegenseitig", lobt Wieser die Kameradschaft unter den Fahrern. Ansonsten müssen ihre Mutter und ihr Vater Diabolo und die Kutsche „kutschieren". „Meine Mutter war auch bei Prüfungen schon öfter Beifahrerin", betont Wieser. Denn keine Fahrprüfung darf allein absolviert werden. Bei der Dressur und beim Hindernisfahren ist der Beifahrer „ein stiller Teilhaber", aber im Gelände muss er aktiv werden. „Sonst könnte die Kutsche schon mal umkippen".

Für die kommende Saison ist der Sprung in die nächsthöhere Klasse M geplant. Zudem möchte Wieser bei den Pfalzmeisterschaften ihr Debüt feiern. Da diese in Otterberg stattfinden werden, hat Esther gute Chancen beim „Heimspiel".

Von Natalie Schlemmer



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