Sportsfreunde: Im Sommer trainiert Esther Wieser fast täglich mit der Kutsche - In diesem Jahr Sprung in die Klasse M geplant
WINNWEILER. Bereits zum zweiten Mal wurde Esther Wieser aus Winnweiler in den
Jugend-Förder-Kader der Pfalz berufen. Die 19-jährige und ihr Pony Diabolo sind ein
eingespieltes Team. 2008 und 2009 gewannen die beiden den E-Cup der Pfalz, für dieses Jahr
ist der Sprung in Klasse M geplant.
„Zu Hause hatten wir schon immer Pferde, da meine Mutter begeisterte Reiterin und auch
Fahrerin ist', erklärt Wieser. Mit sechs Jahren saß sie im Sattel, doch ihre große Liebe gilt
dem Kutschbock. „Hinter den Leinen fühle ich mich einfach wohler", meint sie. Über den
Fahrsportverein Kaiserslautern-Land wurde sie in Otterberg an die Weihen des
Kutschefahrens herangeführt. „Die Jugendarbeit dort ist klasse", fühlt sich das
Nachwuchstalent sichtlich wohl unter den Fittichen von Landestrainer Alexander Schneider.
Dort steht auch mittlerweile das Pony Diabolo, denn im Sommer trainiert Esther fast täglich
mit der Kutsche. Zu Hause in Winnweiler sind die Trainingsmöglichkeiten begrenzt: „Dort
haben wir keinen geeigneten Platz, um zum Beispiel die Dressuraufgaben zu üben".
In den Wintermonaten reitet sie Diabolo meist in der Halle, aber sobald die Turniersaison
beginnt, legen die beiden los und spannen an. Der gescheckte Ponywallach, der aufgrund
seiner Fellzeichnung große Ähnlichkeit mit einem Appaloosa aufweist, kann enorme
Bewegungen vor der Kutsche entwickeln, die man ihm unter dem Sattel eher nicht zutraut.
Wendig und geschmeidig absolviert das Paar die Dressuraufgaben. Das ist wichtig, denn im
Fahrsport werden meist kombinierte Prüfungen ausgeschrieben. Alle Teilnehmer absolvieren
drei verschiedene Teilprüfungen - Dressur, Gelände und Hindernisfahren. In der Dressur ist
vor allem Durchlässigkeit und Gehorsam gefragt. Im Gelände und beim Hindernisfahren
punkten die Fahrerinnen und Fahrer mit Schnelligkeit. „Bis jetzt sind wir von jedem Turnier
mit mindestens einer Schleife heimgekehrt", erzählt die Schülerin der Kaiserslauterer König
und Leiser-Schule stolz. Eine Erfolgsbilanz die für sich spricht. „Und dabei war Fahren zu
Beginn eher eine Notlösung", erläutert Wieser. Vor drei Jahren wurde sie einfach zu groß für
Diabolo. „Das sah dann nicht mehr gut aus". Reiten kann sie den Ponywallach zwar trotzdem
noch, aber auf einem klassischen Dressurturnier würden die beiden wohl keinen Blumentopf
gewinnen. „Da habe ich mir überlegt, dass wir Diabolo einfahren lassen", meint die Schülerin
pragmatisch.
Das erste Jahr sind die beiden dann „nur über die Wiesen gefahren". Alexander Schneider
beobachtete das Paar beim Training und war begeistert. „Dann hat er gemeint, ich solle doch auf dem hauseigenen Turnier an den Start gehen", führt Wieser weiter aus. „Ich hatte vorher
gar nichts mit Turnieren am Hut und war anfangs etwas überfordert", gesteht sie. Bei der
Deutschen Reiterlichen Vereinigung mussten die Unterlagen beantragt werden. Das Kleine
Fahrabzeichen und auch das Bronzene Fahrabzeichen hatte Esther bereits erworben. Gleich
auf dem ersten Turnier ist dann ein Fauxpas passiert. „Wir hatten nicht gewusst, dass man vor
der Prüfung noch einmal abhaken muss. Deshalb ging ich hin und meinte, dass ich jetzt hier
gerne starten möchte", meint Wieser. Der Richter war erstaunt, da alle Reiter oder Fahrer vor
ihrer Prüfung - zusätzlich zur schriftlichen Nennung vier Wochen vorher - ihre
Startbereitschaft mündlich durch „abhaken" erklären müssen. Am Ende durften Diabolo und
Esther trotzdem an den Start gehen und wurden sofort gut platziert. Ein toller Einstand.
Nach ihrer ersten Turniersaison 2008 wurde sie 2009 in den Pfalz-Kader berufen. Auch dieses
Jahr klappte es mit der Kaderberufung. Doch trotz aller Erfolge stand für Wieser nach dem
Abitur 2009 fest, dass die Pferde ein schönes Hobby sind und das auch bleiben sollen.
Deshalb entschloss sie sich an der Kaiserslauterer König und Leiser Schule eine Ausbildung
zur Logopädin zu machen. Auch andere Hobbys wie Tanzen haben in ihrem Terminkalender
Platz. Jeden Freitag trifft sie sich mit Freunden im Winnweilerer Tanzverein Schwarz-Gelb,
um die Hüften zu schwingen. „Ausgleich ist wichtig", findet die Schülerin.
Fahrturniere sind zudem ein größerer logistischer Aufwand als Reitturniere. Neben dem Pferd
muss auch die Kutsche zu den oft weit entfernten Turnierplätzen transportiert werden. „Im
Stall helfen wir uns dabei aber meist gegenseitig", lobt Wieser die Kameradschaft unter den
Fahrern. Ansonsten müssen ihre Mutter und ihr Vater Diabolo und die Kutsche „kutschieren".
„Meine Mutter war auch bei Prüfungen schon öfter Beifahrerin", betont Wieser. Denn keine
Fahrprüfung darf allein absolviert werden. Bei der Dressur und beim Hindernisfahren ist der
Beifahrer „ein stiller Teilhaber", aber im Gelände muss er aktiv werden. „Sonst könnte die
Kutsche schon mal umkippen".
Für die kommende Saison ist der Sprung in die nächsthöhere Klasse M geplant. Zudem
möchte Wieser bei den Pfalzmeisterschaften ihr Debüt feiern. Da diese in Otterberg
stattfinden werden, hat Esther gute Chancen beim „Heimspiel".
Von Natalie Schlemmer
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